#108 | Geodätisches Ensemble auf dem Telegrafenberg: Meridianhaus, Breitenhaus & Mirenhäuschen | 2023

In dem Wissenschaftspark Albert Einstein auf dem Telegraphenberg in Potsdam befindet sich das ehemalige Observatorium für Winkelmessungen mit den heute noch vorhandenen baulichen Anlagen Helmertturm, Instrumentenhaus, Meridianhaus, Breitenhaus und fünf Mirenhäuschen. Seit 2021 ist das Büro mit der Sanierung des Helmertturms betraut. Nun soll die Sanierung auf das Meridianhaus, das Breitenhaus und die Mirenhäuschen erweitert werden. Die Sicherung dieser Objekte ist ein wichtiger Bestandteil zur Erhaltung, Wertschätzung und öffentlichen Vermittlung des baukulturellen Erbes der geodätischen Entwicklung in Deutschland. Um die Substanz zu erhalten und den weiteren Verfall nach jahrelangem Leerstand aufzuhalten, besteht akuter Handlungsbedarf . Die Möglichkeiten der Sanierung werden im Planungsprozess gemeinsam mit den Auftraggebern und den Denkmalbehörden ausgelotet. Dabei steht die Sanierung der Außenhüllen unter metallrestauratorischer Begleitung im Vordergrund. Die Gebäude sollen künftig als Ausstellungsobjekte innerhalb des Wissenschaftsparks genutzt und für Führungen zugänglich gemacht werden. Der Projektumfang umfasst unter anderem die Recherche und Grundlagenermittlung zu den Objekten, die Erarbeitung eines Sanierungsplans, sowie die Planung und Überwachung der Maßnahmen.

Meridianhaus

Ursprünglich gab es drei identische Baukörper in der Art des verbliebenen Meridianhauses, von denen heute nur noch das östlich vom Helmertturm gelegene erhalten geblieben ist. In den Meridianhäusern wurden ursprünglich Instrumente für die geodätischen Messungen aufbewahrt. Neben Forschungszwecken diente das Gebäude auch als Ausbildungsstätte für angehende Geodäten. Die Anforderung an die bauphysikalischen Besonderheiten zur Instrumentenaufbewahrung war maßgebend für die Gestaltung des Gebäudes. Das Objekt weist eine aufwändig gestaltete, dabei höchst funktionale zweischichtige Blechhülle auf, die auf Rollen gelagert über einem massiven Sockel aufgeschoben werden kann. Der geschlossene Zustand ist der Ruhezustand, während für die Messungen die beiden Hälften der zeltartigen, gewölbten Hülle aufgeschoben wurden.

Breitenhaus

Das quadratische, Gebäude steht etwas erhöht auf einer Art Trägerrost. Die bauphysikalischen Anforderungen waren hier ebenfalls maßgebend für die Gestaltung des Gebäudes. Die Konstruktion besteht aus Stahlprofilen und wird von einer zweischichtigen Blechhülle ummantelt. Das Dach lagert auf Rollen und lässt sich – analog zum Meridianhaus – mittig öffnen. In den Dachhälften sind mittig im First jeweils zwei Öffnungen eingelassen, die sich außen deutlich vom Dach abheben. Das Breitenhaus weist fortschreitende Schädigungen durch Korrosion der Bleche und der tragenden Metallkonstruktion auf. Die Aufschiebe-Funktion des Daches soll auch hier erhalten und instandgesetzt werden.

Mirenhäuschen

Auf dem Gelände des Telegrafenbergs befinden sich fünf kleine Wellblechhäuschen, sogenannte Miren, die als Festpunkte zum Kalibrieren der Messinstrumente dienten. Die fünf Mirenhäuschen weisen eine ähnliche Erscheinung auf, jedoch mit unterschiedlicher Höhe und Breite. Sie befinden sich in gutem Zustand und werden lediglich konservatorisch überarbeitet.